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Der Gemeinschaftssinn prägt das Handeln
Quelle: Lippe aktuell Ausgabe vom 13.05.2009 Autor: Norbert Köster
Oerlinghausen (nok). Viel Lob, Anerkennung und Respekt ernteten die Mitglieder der Familien-Sport-Gemeinschaft Bielefeld bei den Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen. Der 1933 in Bielefeld-Ummeln von Anhängern der Freikörperkultur gegründete Verein hat vor 58 Jahren in der »Abgeschiedenheit« der Wisting-hauser Senne ein neues Zuhause gefunden und dieses bis heute zu einem riesigen Freizeitareal ausgebaut, welches über 100 Familien als Urlaubs-, Wochenend- und Freizeitdomizil dient. Auf einer Gesamtfläche von 45.000 Quadratmetern haben sich die Vereinsmitglieder am Fuße des Tönsbergs ihre eigene »Ferieninsel« mit etwa 100 Wohnwagen-/Wohnmobilstellplätzen, vielen Sporteinrichtungen, Schwimmbad, Sauna, Jugendraum, Spielplatz, eigener Gastronomie und Liegewiesen geschaffen. Der Beiname »Senneriffa« verrät viel über die Wertschätzung des eigenen Areals. »Ich brauche für meinen Urlaub keine Hotel- oder Appartmentanlage mit Hunderten von Touristen, die sich im >Handtuch-Reservierungssystem< früh morgens um eine Liege am Pool oder am streng abgegrenzten Sandstrand einer Baleareninsel streiten. Ich fühle mich hier am Teuto wohl«, sagt FSG-Vorstandsmitglied Thomas Jahn und spricht damit den meisten Mitgliedern aus dem Herzen.
»Als breitensportlich orientierter Verein pflegen Sie hier ein ganz besonderes Gut - das Gemeinschaftsgefühl«, meinte der stellvertretende Bielefelder Bürgermeister Detlef Helling in seinem Grußwort zum Jubiläum. Statt leistungsorientiertem Denken herrsche stehe bei der FSG der gesundheitsfördernde Aspekt im Vordergrund. Statt Konkurrenzgehabe bestimme der gemeinschaftliches Sportgedanke das Geschehen. »Genau dies verstehen wir unter dem Begriff Sportverein. Sie engagieren sich mit Herz, Leidenschaft und Kompetenz für eine soziale Heimat der Mitglieder. Leider sind viele bundesweit bekannte Vereine von solch einem Engagement meilenweit entfernt«, ergänzte die Vizepräsidentin des Bielefelder Stadtsportbundes, Astrid Benker, die Aussage des Bürgermeisters. Auch Oerlinghausens Bürgermeisterin Dr. Ursula Herbort schloss sich diesen Worten an. »Gemeinschaftssinn ist wichtig. Es gibt nichts schlimmeres als allein und isoliert durchs Leben zu gehen«, meinte das Oerlinghauser Stadtoberhaupt. Sie sei stolz und froh, dass die Familien-Sport-Gemeinschaft in Bielefeld in Oerlinghausen ein Domizil gefunden habe, in dem sich die Mitglieder wohlfühlen. Sowohl Helling als auch Christa Griwodz vom Westfälischen Turnerbund unterstrichen die erfolgreichen Bemühungen des Vereins, mit einem breit gefächerten Angebot der kommerziellen Konkurrenz (Fitnessstudios, Freizeitbäder u.a.) die Stirn zu bieten. Dies sei nicht einfach, aber dem Verein sei dieses Bemühen hervorragend gelungen. Kurt Fischer (Präsident des Deutschen Verbandes für Freikörperkultur) bezeichnete den Bielefelder Verein Pioniere der FKK-Bewegung. Die »Gründerväter« des Vereins seien gleichzeitig auch Mitbegründer des Dachverbandes gewesen. Sport, Kultur, Freizeitgestaltung, Familienleben, Landschaftspflege und Naturschutz, all dies werde in dem in Oerlinghausen beheimateten Verein lebhaft praktiziert. Günter Hedderich (Präsident der Familien-Sport-Gemeinschaft Nordrhein-Westfalen) bezeichnet das Vereinsgeschehen des Bielefelder Jubiläums-Vereins als vorbildlich. »Die Vielzahl der Sportangebote, die dieser Verein zu bieten hat, zeigt das es Bewegungsangebote für jedes Lebensalter - vom Kleinkind bis zum Pensionär - gibt«, meinte er bei der Jubiläumsfeier in Oerlinghausen.
Die Wurzeln der Familien-Sport-Gemeinschaft Bielefeld liegen in Ummeln. Im November 1933 gründeten dort Anhänger der Freikörperkultur die Geländegemeinschaft Bielefeld. Auf politischem Druck wurde der Verein in den »Reichsbund für Leibesübungen überführt. In der NS-Zeit sahen sich die Mitglieder vielen Anfeindungen aus dem politischen Lager ausgesetzt. Nach Auflösung des Reichsbundes im Jahre 1945 und der damit verbundenen Umbenennung in »Bund für freie Lebensgestaltung« wurde den Anhängern der Freikörperkultur ein Jahr später das Pachtgelände in Ummeln aufgekündigt. Erst fünf Jahre später begann offiziell die Ära »Oerlinghausen«. In der Wistinghauser Senne pachtete der Verein nach langer Suche das Gelände der ehemaligen Gärtnerei Sannert. Seit dieser Zeit ist das eingezäunte Gelände stetig gewachsen. Ringtennisplätze, Volleyballfeld, Bogenschießplatz, Fußballplatz, Petanque-Bahnen,
Schwimmbad, Sauna, Spielplatz, Tischtennisanlage, Jugendraum, ein modernes Waschhaus, Stellplätze, Parkplatz und vieles andere mehr wurden nach und nach in Eigenregie aufgebaut. Die großzügige Anlage war inzwischen mehrfach Austragungsort verschiedener landesweiter FSG-Meisterschaften und überregionaler Treffen. Seit 1996 heißt der Verein FSG Bielefeld. Am Rande der Jubiläumsfeierlichkeiten wurden die NRW-Einzel- und Mannschaftsmeisterschaften im Petanque ausgetragen und am nächsten Wochenende präsentiert sich der Verein mit einem Tag der offenen Tür allen interessierten Gästen.
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